Einfache Rezepte für eigene Pflegeprodukte

Einfache Rezepte für eigene Pflegeprodukte

Ich beschäftige mich inzwischen seit geraumer Zeit mit dem Selbermachen von Dingen des Alltagsbedarfes – vordergründig mit Naturmedizin und Naturpflege – so biologisch wie möglich und naturrein sowieso.

Zu Beginn hat mich die Vielzahl der Möglichkeiten ziemlich überfordert. Nach und nach, bei gewisser Beständig- und Hartnäckigkeit, lichtet sich der Dschungel. Ich konnte mit der Zeit unterschiedliche Systeme verstehen und erkennen und, dass alles grundsätzlich recht einfach umgesetzt werden kann. Einige Dinge erfordern etwas komplexere Zutaten und Vorgehensweisen (auch abhängig von unserem Anspruch), Vieles jedoch können wir sehr, sehr einfach und zeitsparend selbst herstellen und einen Großteil unseres Bedarfes abdecken.

Diesen Dingen möchte ich mich in diesem Beitrag widmen und ein paar Rezepte vorstellen, die in wenigen Minuten „angerührt“ sind.


Kleines Naturkosmetik-ABC

für alle, die sich gerne intensiver mit Naturpflege auseinandersetzen möchten! Für unsere Rezepte im Folgenden benötigen wir diese Infos weitgehend gar nicht.

Neben der Wirkung spielen bei den selbsthergestellten Produkten vor allem Haltbarkeit und Konsistenz eine Rolle.

Pflegeprodukte setzen sich aus 3 grundlegenden Stoffen zusammen:

  • Öle und Fette
  • Wasser
  • Wirkstoffe

 

Haltbarkeit

Sobald unser Pflegeprodukt einen wässrigen Anteil enthält, müssen wir ohne Konservierung mit einer relativ frühen Verderblichkeit rechnen. Pi mal Daumen halten sich die Produkte 3 Tage bei Lagerung im Kühschrank. Meiner Erfahrung nach auch etwas länger – abhängig von Zusammensetzung und Inhaltsstoffen.

Anfällig für einen frühen Schimmelbefall sind vor allem Formulierungen, die Zucker, Öl sowie Wasser enthalten und in einer feucht-warmen Umgebung aufbewahrt werden.

Der Zusatz von ätherischen Ölen, Vitamin D und/oder Grapefruitkernextrakt kann die Haltbarkeit ein wenig erweitern.

Eine andere Variante ist, Pflege ohne wässrigen Anteil herzustellen (also eine reine Fettpflege, z.B. Salben) und ggf. Flüssigkeit direkt bei Anwendung mit auf die Haut/die Haare zu bringen (z.B. in der Handfläche der Fettpflege beimengen).

Die professionelle Naturkosmetik-Lösung ist der Einsatz von natürlichen Konservierern (z.B. Biokons oder Rokonsal), die eine Haltbarkeit von 3 Monaten ohne zusätzliche Kühlung gewährleisten. Die Konservierung allerdings nur funktioniert dann, wenn das Produkt zuvor auf einen PH-Wert im Wirkungsbereich des Konservierungsmittels eingestellt wurde.

PH-Wert

Unsere Haut hat einen leicht sauren PH-Wert von ungefähr 5,5 (je nach Typ und Alter). Wasser ist hingegen basischer mit einem PH-Wert von ca. 7 – wir bezeichnen Werte darunter als „sauer“ und darüber als „basisch“.

Zum optimalen PH-Wert für die Hautpflege gibt es unterschiedliche Meinungen. Viele Untersuchungen und Erfahrungen legen nahe, dass ein basischer Wert besser für unsere Haut ist, als ein PH-neutraler (~ 5,5). Zwischen 6-9 liegt ein guter Versuchsbereich für unsere Haut.

Unsere Haare profitieren hingegen von einem eher sauren PH-Wert von ca. 4-6 (Klassiker: Essig-Spülung). In diesem Bereich schließt sich die Schuppenschicht (Cuticula) der Haare – sie wirken natürlich glanzvoll und lassen sich durch die glattere Haaroberfläche besser kämmen.

Bei einer puren Öl- oder Wasseranwendung, brauchen wir uns über eine Korrektur des PH-Wertes keinen Kopf machen. Sobald wir jedoch Öl und Wasser verbinden bzw. komplexere Mischungen verarbeiten, ist es sinnvoll, den PH-Wert zu überprüfen und ggf. auf den individuell passenden Wert einzustellen.

Mit Säure (z.B. Milchsäure, Zitronensäure) bewegen wir uns in den sauren Bereich (niedriger PH-Wert) und mit Lauge (z.B. Natron, Harnstoff) in den basischen.

Biokons als natürliches Konservierungsmittel hat einen relativ hohen PH-Toleranzbereich (4-8) zur Entfaltung seiner Wirkung und eigent sich daher auch zur Konservierung von basischen Produkten.

Konsistenz

Emulgatoren verbinden Fett und Wasser und beeinflussen die Konsistenz. Sie sind unverzichtbarer Bestandteil von handelsüblichen Cremes und Pflegeprodukten. Hier gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten für die Naturpflege – je nach gewünschter Beschaffenheit (Fluid, feste Creme, …) können unterschiedliche Substanzen eingesetzt werden.

Ein recht einfacher Emulgator, den wir auch vielseitig in der Küche (z.B. für Eiscreme, etc.) einsetzen können, ist Lecithin. Lecithin verbindet Wasser und Fett zuverlässig, erzeugt aber eher ein Fluid und weniger eine streichfähige Creme.

Wirkungsvolle Co-Emulgatoren und Konsistenzgeber sind Bienenwachs und Wollwachs (Lanolin anhydrid) – sie können für eine festere Konsistenz mit Lecithin kombiniert werden.

Ein weiteres empfehlenswertes Pulver für den Vorratsschrank ist Xanthan – ein natürliches Bindemittel, Stabilisator und Verdickungsmittel. Es erzeugt schöne Gele – für z.B. Zahncreme, Shampoo, etc. und eignet sich auch bei anderen Produkten (oder Gerichten) zum Andicken.

Wirkstoffe

Ein breites Wirkstoffspektrum bieten uns Pflanzen. Am einfachsten erzielen wir Wirkung durch den Einsatz von ätherischen Ölen. Sie sind in naturreiner Qualität (optimalerweise auch noch in Bio Qualität) in jeder Apotheke erhältlich und in zahllosen Varianten online bestellbar. Ätherische Öle können sparsam dosiert werden – sie weisen die höchste Wirkstoffkonzentration aller Pflanzenzubereitungen auf.

Wenn wir unabhängiger sein möchten, können wir aber auch recht einfach Wirkstoffe für unsere Rezepturen selbst herstellen. Alltagstaugliche Methoden sind vor allem Kräuterauszüge in Öl (Mazerate) oder Alkohol (Tinkturen). Natürlich können wir auch Pflanzenwässer und ätherische Öle destillieren – diese Verfahren erfordern jedoch nähere Auseinandersetzung und spezielles Equipment.

Weitere Substanzen aus der Wirkstoffkategorie sind z.B. Tensinde (Reinigungsprodukte), mineralische Erden, Enzyme, Vitamine, Lipide, Proteine, Säuren, Polyole, Amide, Saccharide, …

Bekannte Präperate in der Kosmetik hiefür sind z.B. Keratin, Collagen, Q10, Pathenol, Hyaluron, Weizenprotein, Aloe Vera, Kieselsäure, Sorbit, Heilerde, Cocos Glycosid, …

Bezugsquellen

Bezugsquellen für die breite Palette der Substanzen, die in der Naturkosmetik Einsatz finden können sind z.B.:

Vieles ist auch auf Amazon und kostengünstig bestellbar. Wer lieber vor Ort einkaufen möchte, ist in Apotheken gut beraten.


Einfache Rezepte – legen wir los!

Da mein Anspruch an Unmittelbarkeit in der Regel groß ist, mische ich die Mengen intuitiv und mache auch in diesem Beitrag keine genauen Angaben dazu – ggf. lässt sich alles einfach „nachjustieren“ und auch an die individuellen Vorlieben anpassen.

Kaffee-Ganzkörper-Peeling und Reinigung

Diese Mischung eignet sich herrvorragend zur gleichzeitigen Pflege und Reinigung unter der Dusche. Der Kaffee duftet wunderbar und regt den Zellstoffwechsel (stärkt das Bindegewebe, reduziert Cellulite) an. Den feuchten Körper gut mit dem Peeling einreiben und anschließend abspülen. Trockene Hauttypen können das hervorragend als vorwiegendes Körperreinigungsmittel verwenden.

Einziger Nachteil ist ein leichter Fettfilm in der Dusche, der nach der Anwendung zurückbleibt. Ich persönlich entferne ihn nach 3-4x duschen. Ein Verstopfen des Abflusses konnte ich nicht beobachten – allerdings kann sich an Engstellen des Abflusses Kaffesatz anstauen. Seit ich beim Duschen die Abdeckung des Abflusses entferne, geht alles wunderbar durch. Eine bedachte Dosierung beim Duschen ist ebenfalls hilfreich und ab und an gließe ich Chlor in den Abfluss.

Wir brauchen

  • Kaffeesatz aus dem Kaffeevollautomaten
    (alternativ gemahlenes Kaffeepulver für die klassische Kaffeemaschine)
  • hochwertiges Pflanzenöl (z.B. Mandelöl, Jojobaöl, Sesamöl, Olivenöl, …)
  • Rohrzucker
  • Honig (wenig)

 

Alle Zutaten in einem für die Dusche geeineten, verschließbaren Gefäß zusammenrühren!

Den größten Anteil des Mischverhältnisses bildet der Kaffeesatz gefolgt von Pflanzenöl. Der Rohrzucker dient einem zusätzlichen Peelingeffekt und der Honig der zusätzlichen Pflege. Honig sollte allerdings sparsam dosiert werden, da die Masse sonst ziemlich klebt auf der Haut und mehr Mühe beim Abspülen erfordert.

Eine aufwertende optionale Zutat ist z.B. Heilerde.

Kaffeesatz aus dem Kaffeevollautomaten ist üblicherweise noch etwas feucht (Verderblichkeit!) – daher sollte Masse bei jeder Anwendung auf Schimmel, Geruch & Co überprüft werden. Meiner Erfahrung nach hält sich das Peeling dennoch locker 3 Wochen ohne Kühlung. Wer sicher gehen möchte, kann den Kaffeesatz vor dem Anrühren an der Luft oder im Backofen trocknen.


Universelles Pflege-Fluid

Diese Pflegevariante ist sehr einfach zusammengerührt, erfüllt aber vielfältige Ansprüche. Bei mir bewährt es sich als intensive und dennoch leichte Pflege von Gesicht und Händen, sowie als Schnellkur nach der Haarwäsche in den Haarspitzen.

Wir brauchen

  • destilliertes Wasser (alternativ Pflanzenwässer/Hydrolate – z.B. Hammamelis, Sandelholz, Rose, …)
  • hochwertiges Pflanzenöl (z.B. Mandelöl, Jojobaöl, Sesamöl, Olivenöl, …)
  • Lecithin
  • Xanthan
  • Ätherische Öle (z.B. Rosengeranie, Ylang Ylang, Lavendel, …)

 

Ca. 1 Tasse Flüssigkeit, 1/2 Tasse Öl und 1 TL Lecithin mit dem Stabmixer (Milchaufschäumer geht auch) dispergieren. Weitermixen und ganz kleine Mengen des Xanthanpulvers beimengen, und auf diese Weise schrittweise bis zur gewünschten Konsistenz andicken. Abschließend mit einigen Tropfen ätherischen Ölen beduften.

Das fertige Fluid am besten in Braunglasfläschchen abfüllen – optimalerweise mit einem Pumpverschluss. Bis zur Verwendung im Kühlschrank lagern – bei jeder Anwendung Geruch und Konsistenz überprüfen.

Optional kann etwas Heilerde und/oder Honig beigemengt werden. Glycerin (max. 10% der Gesamtmenge) und Aloe Vera Gel sind ebenfalls sehr aufwertende Zugaben.


Zahnputzgel

Ist ein prima Ersatz für handelsübliche Zahpasta. Es schäumt kaum, erzeugt aber dennoch ein ähnliches Mundgefühl wie Zahnpasta.

Wir brauchen

  • destilliertes Wasser
  • Heilerde (ganz fein – z.B. Luvos microfein aus der Apotheke)
  • Xanthan
  • Ätherische Öle (optimal sind Spearmint bzw. Krauseminze und/oder Pfefferminze)

 

Ca. 1 Tasse Flüssigkeit mit Xanthan andicken. Dazu unter beständigem Mixen mit einem Stabmixer kleine Mengen des Pulvers bis zur gewünschten Konsistenz zugeben.

Nun mit einem nicht-metallischem Rührgerät (Holz, Glas oder Kunststoff) ca. 2-3 EL Heilerde und ca. 10 Tropfen ätherischen Öle einrühren (Heil- und andere Erden können Wirkkraft verlieren, wenn sie mit Metall in Verbindung kommen).

Das Zahngel kann in Marmeladegläsern aufbewahrt und mit einem nicht-metallischem Löffel oder Spatel bei jeder Anwendung entnommen werden. Praktischer sind Airless Pumpspender, die bei oben angeführten Bezugsquellen bestellt werden können.

Der Flüssigkeitsanteil kann mit geeigneten Tinkturen ergänzt werden (z.B. Salbei, Kamille, …). Die Verwendung von weiteren oder anderen mineralischen Pulvern funktioniert auch wunderbar (z.B. Rügener Schlämmkreide, Kaolin, Bentonit, …).


Fester Hautpflege- und Lippen-Balsam

Dieser Balsam ist eines meiner Lieblingsprodukte, da er so praktisch in der Anwendung sein kann, wenn man ihn in eine Deo-Stick-Hülse oder Lippenpflege-Hülse einfüllt.

Wir brauchen

  • Bei Zimmertemperatur festes Pflanzenfett (z.B. Kakao, Shea oder Kokos)

Das wäre in der ganz, ganz minimalen Variante auch schon alles 😉! Wir wollen aber aufwerten mit weiteren Zutaten:

  • hochwertiges Pflanzenöl (z.B. Mandelöl, Jojobaöl, Sesamöl, Olivenöl, …)
  • Bienenwachs
  • Ätherische Öle (z.B. Rosengeranie, Ylang Ylang, Lavendel, …)
  • Honig

 

Ca. 1/2 Tasse festes Pflanzenfett und ca. 1 EL Bienenwachs bei geringer Temperatur in einem kleinen Topf schmelzen und dann von der Herdplatte nehmen. 1/4 Tasse Pflanzenöl(e), einige Tropfen ätherische Öle und eine Löffelspitze Honig einrühren.

Solange die Masse flüssig ist in Gläser oder Hülsen abfüllen. Auskühlen und fest werden lassen (schnell geht’s im Kühlschrank).

Ich benutze dafür gerne kleinere Deo-Hülsen. Damit kann ich den Balsam schön im Gesicht und auf den Lippen verstreichen. Wenn ich eine Feuchtigkeitspflege möchte, massiere ich einfach noch ein paar Tropfen Wasser mit in die Haut.

Der Vorteil von Balsam und Salbe (reine Fettpflege) ist, dass wir keine Konservierung benötigen, weil der Feuchtigkeitsanteil fehlt. Öle und Fette halten problemlos bis zu einem Jahr ohne Konservierung – dann können sie ev. ranzig werden, was aber immer noch nicht wirklich schädlich für die Haut ist. Riecht halt nicht mehr so gut.

Komplexe Emulgatoren sind auch nicht erforderlich, da wir ja kein Wasser mit den Fetten verbinden müssen. Bienenwachs dient hier als Konsistenzgeber, da die Beschaffenheit beim Einsatz von flüssigen Ölen zu wenig fest würde.

 

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